Familienrecht in Deutschland

Aktuelles

Deutscher Bundestag

Kleine Anfrage der Fraktion der CDU/CSU, Drucksache 20/3606 vom 22.9.2022: 

Gesamtvorhaben der Bundesregierung zum Schutz von Kindern gegen sexuellen Missbrauch im privaten, virtuellen und öffentlichen Raum 

(u.a. zur Qualifizierung der Fachkräfte in Kinder- und Jugendhilfe, Fortbildung/ Qualifizierung für die am Kinderschutz beteiligten Professionen, Fortbildungspflicht der Beteiligten an familienrechtlichen Verfahren, verbindliche Vorgaben für die Qualifizierung von Sachverständigen von Familiengutachten, kindgerechte Justiz, Kinderschutzkonzepte (vgl. u.a. Fragen 7, 8, 11, 12, 13, 14, 15-18, 22, 23) 

Vortrag beim Bundesfamilienministerium (BMFSFJ)

Wie das Recht einen kindeswohlorientierten, effektiven Schutz vor Gewalt bieten könnte, Lohse/Meysen, 6.4.2022 

Deutscher Bundestag

Sönke Rix, Mitglied des Deutschen Bundestags, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion

Antwort auf die Frage "Wie ist Ihre Einschätzung zur Hammer Studie?", 8. Juni 2022 

Yagmur Gedächtnisstiftung - Zivilcourage im Kinderschutz

„Familienrecht in Deutschland“ wird ab sofort auch von der
Yagmur Gedächtnisstiftung - Zivilcourage im Kinderschutz unterstützt.

Dazu der Stifter Michael Lezius:
Die Studie „Familienrecht in Deutschland – Eine Bestandsaufnahme“ zeigt den dringenden Bedarf, den Kinderschutz in familienrechtlichen Verfahren zu stärken. In den Verfahren ist ein immer raumgreifenderes „Elternrecht vor Kinderrecht“ zu beobachten, obwohl das Kind immer im Mittelpunkt von Entscheidungen stehen sollte.“ 


Termine

7.-8. Oktober 2022 | Leipzig 

Jahrestagung 

Deutsche Liga für das Kind 


20. Oktober 2022 | online

Online-Schulung: Sorge- und Umgangsrecht bei häuslicher Gewalt

17.-19. November 2022 | Kassel

Jahrestagung des Berufsverbands für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland e.V. 

Sächsischer Landtag, 5.9.2022
41. Sitzung - Ausschuss für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt 

TOP 2. „Studie Familienrecht in Deutschland – Eine Bestandsaufnahme“ von Dr. Wolfgang Hammer 

Herr Mathias Weilandt, Staatssekretär und Amtschef des Sächsischen Staatsministeriums der Justiz und für Demokratie, Europa und Gleichstellung 


13. September 2022 | Berlin

Gemeinsam stark! Allianz gegen Gewalt und Vernachlässigung und deren Folgen - eine Workshopkonferenz 

seit Juli 2022  | online 

Online-Kurs Häusliche Gewalt und Familiengerichte 

Schutz und Hilfe bei häuslicher Gewalt 

Aktuelles II

Deutscher Frauenrat

Forschung und Aufklärung: Antifeministische Narrative in Praxis von Familiengerichten und Jugendämtern?

Beschlüsse | 22. Juni 2022

„Der Frauenrat fordert weitere und vor allem repräsentative wissenschaftliche Forschung sowie Aufklärung durch eine Enquete-Kommission oder vergleichbar geeignete Institutionen, inwieweit antifeministische Narrative an Familiengerichten und in Jugendämtern Entscheidungen begünstigen, welche sich nicht am Kindeswohl orientieren: Wenn etwa der Gewaltschutz durch den Umgang (bis hin zum Wechselmodell) ausgehebelt oder ein Kind ohne dringende Gefahr im Elternstreit in Obhut genommen wird. Die Studie „Familienrecht in Deutschland – Eine Bestandsaufnahme“ des Soziologen Dr. Wolfgang Hammer  [...] weist auf solche Entwicklungen hin und ist ein Anfang. Repräsentative Datenerhebungen und Forschungsarbeiten zu Hintergründen müssen folgen." 

Zwangskontrolle

Open Letter to Family Court Lawyers from a Domestic Violence Expert, July 19, 2022 by Veronica York, Domestic Violence and Child Abuse Custody Expert, Certified High-Conflict Divorce Coach, USA
Most courts like to assume a father is acting out of love for their children. This could not be further from the truth in DV [domestic violence] custody cases. Family court is the most successful venue for an abusive father to continue his abuse. He knows that the best way to hurt the mother is to use the children. Their motives are in plain sight but most often missed by court professionals.“

Monk, L., & Bowen, E. (2021). Coercive control of women as mothers via strategic mother–child separation, Journal of Gender-Based Violence, 5(1), 23-42. 
Zwangskontrolle von Frauen als Mütter über strategische Mutter-Kind-Trennung
"
Thematic analysis identified eight themes as perpetrator tactics of strategic separation:
1) Lying to and manipulating children;
2) Sabotaging children’s contact with their mothers;
3) Weaponising children;
4) Conditioning children through reward and punishment;
5) Exploiting women’s vulnerability, particularly as mothers;
6) Threatening mothers with taking their children from them;
7) Actively employing mother-blaming by exploiting mother-blaming institutions and practices; and
8) Denigrating mothers and elevating themselves in order to supplant mothers as children’s primary caregivers and attachment figures.
Because service responses fail to address this aspect of men’s violence against women and children, the article is positioned to inform policy, practice and service provision."

Violence against Women
Psychological violence and
coercive control
- special regards to chapter 4.1. " The effect of gender violence on custody and visiting rights",
European Parliament, Policy Department for Citizens’ Rights and Constitutional Affairs, Directorate-General for Internal Policies
PE 650.336- April 2020
Deutsche Zusammenfassung
 
"...the perpetrator makes it invisible ." The Guardian, Jess Hill, 7.3.2020: 
Patriarchy and power: how socialisation underpins abusive behaviour

Zwangskontrolle: Aktualisierung und Prüfung, Evan Stark, Marianne Hester, Dez. 2018

Aktuelles III

Podcasts

Erwachsene berichten über ihre Kindheitserfahrungen mit dem Familiengericht, Camilla Nelson, Whitlam Institute, Mai 2022:
They thought it was safe: Securing children's safety and rights in Australia's Family Law system 


Deutschlandfunk, Marie von Kuck, Feature, 11.4.2022:
Wie Familiengerichte den Schutz von Frauen aushebeln „Ihre Angst spielt hier keine Rolle“
 Feature: Textdokument  


FamRZ-Podcast familiensachen, 3/2021, Folge 3 Istanbul-Konvention 


Definition häuslicher Gewalt nach Artikel 3b, Istanbul-Konvention:
"...bezeichnet der Begriff "häusliche Gewalt" alle Handlungen körperlicher, sexueller, psychischer oder wirtschaftlicher Gewalt, die innerhalb der Familie oder des Haushalts oder  zwischen früheren oder derzeitigen Eheleuten oder Partnerinnen beziehungsweise Partnern vorkommen, unabhängig davon, ob der Täter beziehungsweise die Täterin denselben Wohnsitz wie das Opfer hat oder hatte.“ 

Faktenblatt zur Studie - englische Version

Fact Sheet "Family Law in Germany. Taking Stock" English version 


Aus Forschung und Praxis

Forschung aus dem Themenfeld

Bindungstheorie

Kinder- & Jugendärzte im Netz zur kanadischen Studie "The Smell of a Mother", 28.1.2022: 
Mutter-Kind-Bindung: Geruch und Augenkontakt spielen Rolle. 

Mütter und Neugeborene gehen ab dem ersten Hautkontakt - wenn nicht sogar früher - eine besondere Bindung ein.“

Lux/Kindler/Walper/Zimmermann (12/2021)
In: Praxis der Rechtspsychologie, Jahrg.: 31, H. 2, S. 27-52:

Bindungsbeziehungen zwischen Eltern und Kindern im Kontext von Trennung und Scheidung: Welche Rolle spielen Umfang und Qualität des Eltern-Kind-Kontakts?
 

Opie, McIntosh u.a., 2021: Early childhood attachment stability and change: a meta-analysis, Attachment & Human Development, 23:6, 897-930, DOI: 10.1080/14616734.2020.1800769

 "...this study identified clear evidence of publication bias in the existing literature. [...] In supporting an ecology of attachment organisation at each developmental epoch in early childhood, maintenance of early security may be enhanced and the movement from insecurity toward security supported." 


Tommie Forslund et.al., Stockholm University, 2021:
Attachment goes to court: child protection and custody issues
"It is imperative to provide families with support to facilitate good-enough care, and not threaten continuity of care without the most serious of justifications."

Monica Campo , Belinda Fehlberg , Kristin Natalier & Bruce Smyth (2020), Journal of Social Welfare and Family Law, 42:3, 299-31:
The Meaning of Home for Children and Young People after Separation

Rasmussen et.al., 2018:
Attachment as a Core Feature of Resilience: A Systematic Review and Meta-Analysis
"...secure attachment is associated with the presence of resilience." 


Deutscher Bundestag, Wissenschaftliche Dienste, Dokumentation, Oktober 2018:
Aktuelle Publikationen zur Bindungsforschung

Familienrecht unter der Lupe

Entwicklungspsychologie

Kinder- & Jugendärzte im Netz zur Studie der Stanford University School of Medicine (USA), 12.8.2022: 

Bis zum Jugendalter reagiert das Gehirn auf die Stimme der Mutter besonders stark


Kinder- & Jugendärzte im Netz berichten über eine Studie der Universität Toronto basierend auf einer landesweit repräsentativen Stichprobe, 15.7.2022: Häusliche Gewalt in der Kindheit erhöht Risiko für psychische Erkrankungen im Erwachsenenalter

„Die Studie der University of Toronto ergab, dass ein Fünftel (22,5%) der Erwachsenen, die in ihrer Kindheit regelmäßig häusliche Gewalt bei ihren Eltern sahen, irgendwann in ihrem Leben eine schwere depressive Störung entwickelten. Im Vergleich dazu waren nur 9,1% derjenigen ohne eine Vorgeschichte von elterlicher häuslicher Gewalt davon betroffen.“


Kinder- und Jugendärzte im Netz berichten über eine australische Studie, 13.05.2022:
Die Bindung zwischen Müttern und ihren Babys hat starken Einfluss auf kindliche Entwicklung

LandesPsychoTherapeutenKammern Rheinland-Pfalz, Praxistipp der Juristinnen, 29.1.2020:
Einsichtsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen

Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ), 2019:
Entwicklung als kinder- und jugendmedizinische Besonderheit

Risiken psychosozialer Entwicklung und Instinktive Täuschung, Dorothea Weinberg und Alexander Korittko, 2013

Arnold Lohaus / Marc Vierhaus, Springer Verlag GmbH, 4. Auflage, 2019:

Entwicklungspsychologie des Kindes- und Jugendalters für Bachelor

zur Praxis im Familienrecht

Fachbeiträge

AWMF S3+ Kinderschutzleitlinie 

Wissenschaftliche, übergeordnete Leitlinie, geänderte Fassung Januar 2022 

bspw. zur Diagnostik Münchausen-by-proxy, S. 42 

bspw. zum Forschungsbedarf, S. 331 

"Es liegen nur wenige Studien aus Deutschland vor, sodass sowohl in den diagnostischen als auch in den Bereichen wie z.B. in der Kooperation aller Versorgungsbereiche ein Bedarf für z.B. Kohortenstudien oder auch nicht analytische Studien besteht. Die Evidenz der Kinderschutzleitlinie beruht überwiegend auf internationalen Studien." 


AWMF S3+ Kinderschutzleitlinie,

Zusatzdokument „Strukturierte Befragung von Kindern und Jugendlichen“ 


Niedersächsisches Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung, Fachbeitrag von Prof. Dr. Angelika Henschel, 26.7.2022:
Kinder im Kontext von häuslicher Gewalt

Fachvortrag, Rechtsexperte Prof. Dr. Ludwig Salgo, Goethe-Universität Frankfurt am Main, 30.11.2021:
Häusliche Gewalt–Kindesschutz im Spannungsfeld zwischen
Elternrecht und Kindeswohl, eine Herausforderung für
Gesetzgebung, Jugendhilfe und Justiz

"Immer wieder anzutreffende Tendenzen in der Praxis:
- Enormer Druck auf Mütter, sich kooperativ zu zeigen durch FamG, JA, GA, Verfahrensbeistände, manchmal durch eigene RAe
- Drohung mit Sorgerechtsverlust (Zauberformel: „Bindungstoleranz“)
- „Väter sind gut und wichtig“ –„Mütter sind rachsüchtig, feindseelig und entfremdend“


Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen e.V., 2021:
Handlungsempfehlungen für das Jugendamt zum Umgang mit Fällen partnerschaftlicher Gewalt in Familien mit Kindern

Fachartikel, Stichwort der Psychologie, 2019:
Das Kontinuitätsprinzip als Kriterium zur Sorgerechtsregelung

Wissenswertes I

Wechselmodell

Wiener Zeitung, 23.7.2022: 

"Eltern werden durch Verfahren traumatisiert"
Interview mit der Erziehungswissenschafterin Judit Barth-Richtarz und der Psychologin Maria Eberstaller
"...es mag schon sein, dass das Ideal ist, dass das Kind mit zwei Eltern aufwächst, an die es gut gebunden ist. Wir haben es aber bei den Hochstrittigen nicht mit solchen Eltern zu tun. Auch Gerichte können aus einer dysfunktionalen Familienstruktur keine funktionale machen. Das ist ein Ideal, das nicht erfüllbar ist."
 
Deutscher Kinderschutzbund - Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilger im Interview mit der Schwäbischen Zeitung, 20.4.2022:
Wechselmodell nicht aufzwingen

AfD, Drucksache 22/7681, 20.3.2022:
AfD-Fraktion fordert Wechselmodell als Regelfall

In einem Offenen Brief vom 11.11.2021 fordern 14 Verbände, darunter der Deutsche Juristinnenbund e.V., der Deutsche Kinderschutzbund e.V. und die Deutsche Liga für das Kind, die bestehende Vielfalt von Umgangsmodellen für Trennungsfamilien zu erhalten.

Wissenschaftlicher Beirat für Familienfragen beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2021: Gutachten "Gemeinsam getrennt erziehen", Überblick über die Empfehlungen
"...spricht sich der Beirat gegen eine gesetzliche Verankerung einer allgemeinen Priorisierung der geteilten Betreuung aus, da wir der Überzeugung sind, dass eine differenzierte Prüfung des Einzelfalls den Interessen des Kindes in einer Trennungsfamilie am ehesten gerecht wird."

Deutscher Bundestag, Bundestagsdrucksache 19/30895 vom 22.6.2021:
Das Wechselmodell im deutschen Familienrecht

Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen, 2019:
Stellungnahme zum Thema "Wechselmodell als Regelfall"

Denise L. Whitehead: The Shared Custody Experience: The Adult Child’s Perspective on Transitions, Relationships and Fairness, Dissertation, University of Guelph, Kanada, 2012

Ausbildungen

§ 23b GVG - Gerichtsverfassungsgesetz, Prof. Dr. Ludwig Salgo, Goethe-Universität Frankfurt am Main, 1.8.2021:
Stellungnahme zu Qualitätsanforderungen in der Familiengerichtsbarkeit

FamRZ-Podcast familiensachen, 04/2021:
Folge 4 Qualifikation und Fortbildung von Familienrichterinnen und -richtern

"...Gast ist Prof. Dr. Stefan Heilmann, Vorsitzender Richter am OLG Frankfurt/M. Er fordert seit Jahren, dass Familienrichterinnen und -richter besser ausgebildet werden müssen."

Prof. Dr. Maud Zitelmann, Frankfurt University of Applied Sciences, 31.8.2021:
Podcast: Soziale Arbeit: Jugendhilfe und Kinderschutz

"Sozialarbeiter, Kinder- und Jugendmediziner, Psychologen, Lehrer, Erzieher, Familienrichter – das sind nur einige der Berufsgruppen, die auf die eine oder andere Weise Einfluss nehmen können auf den Schutz von Kindern.

Oftmals verfügen sie allerdings nicht über das Wissen und Können im Fachgebiet Kinderschutz, das für ihre praktische Arbeit notwendig wäre..."

Istanbul-Konvention

Die Istanbul-Konvention ist ein internationales Übereinkommen zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt. Sie wurde durch den Deutschen Bundestag am 1.6.2017 ratifiziert und trat am 1.2.2018 für Deutschland in Kraft.

Definition häuslicher Gewalt nach Artikel 3b:
"...bezeichnet der Begriff "häusliche Gewalt" alle Handlungen körperlicher, sexueller, psychischer oder wirtschaftlicher Gewalt, die innerhalb der Familie oder des Haushalts oder  zwischen früheren oder derzeitigen Eheleuten oder Partnerinnen beziehungsweise Partnern vorkommen, unabhängig davon, ob der Täter beziehungsweise die Täterin denselben Wohnsitz wie das Opfer hat oder hatte.“ 


Kindschaftssachen und häusliche Gewalt
Umgang, elterliche Sorge, Kindeswohlgefährdung, Familienverfahrensrecht

Thomas Meysen, SOCLES International Centre for Socio-Legal Studies (Hrsg.), 2021



Wissenswertes II

Deutsche Kinderhilfe e.V.

Hörfunkbeitrag zur Fachtagung an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege des Landes Mecklenburg-Vorpommern in Güstrow, 25.5.2022

Pressemitteilung 

Fachtagung für Umgangs- und Sorgerechtsrechtsfragen im Zusammenhang mit partnerschaftlicher Gewalt am 24. Mai 2022 in Güstrow 

Magazin, Mai 2022

Kinder im Fokus
Partnerschaftliche Gewalt [nach Art. 3 Istanbul-Konvention] und ihre Folgen

Arbeitsgruppe „Kindgerechte Justiz“ des Nationalen Rates gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen

Ergebnisvermerk 2. Sitzung vom 30.4.2021

Auszug:
"Gerichtliche Verfahren, sei es im Bereich des Straf- oder Familienrechts, sind für die betroffenen Kinder und Jugendlichen häufig schwer verständlich, belastend und können Auswirkungen auf ihren weiteren Lebensweg haben."

93. Konferenz der Justizministerinnen und -minister

Frühjahrskonferenz 1. bis 2. Juni 2022

Beschluss TOP II.21  Abschlussbericht der Bund-Länder-Arbeitsgruppe des Strafrechtsausschusses „Gewalt gegen Mädchen und
Frauen wirksam begegnen“

Auszug:
"Sie nehmen die Einschätzungen der Arbeitsgruppe, insbesondere zu den Bereichen justizielle statistische Daten sowie zum Straf- und Familienrecht, zur Kenntnis und halten sie für eine geeignete Grundlage, um gesetzgeberische Maßnahmen abzustimmen mit dem Ziel, der Gewalt gegen Mädchen und Frauen mit den Mitteln der Justiz besser entgegentreten zu können."

International I

Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte

CASE OF KATSIKEROS v. GREECE 
(Antrag 2303/19), Straßburg, Urteil vom 21.7.2022 

Australien

Australien, Whitlam Institute, Within Western Sydney University, Forschungsbericht, Camilla Nelson, 26.5.2022:
They Thought it was Safe: Securing Children's Safety and Rights in Australia's Family Law System

Camilla Nelson, Chatarine Lumby, Sachbuch, Australien, 2021:
Broken - Children, Parents and Family Courts
"Broken explores the complexities and failures of Australia’s family courts through the stories of children and parents whose lives have been shattered by them. [...] take the reader into the back rooms of the system to show what it feels like to be caught up in spirals of abusive litigation. They reveal how the courts have been politicised by [...] men’s rights groups, and how those they are meant to protect most – children – are silenced or treated as property."

Australian Government
Australian Law Reform Commission, 2019:
Family Law for the Future — An Inquiry into the Family Law System

„Faith in the system is lost.“ 

USA

Child Custody Outcomes in Cases Involving Parental Alienation and Abuse Allegations

Meier et.al., George Washingtown University Law School, 2019

"These data powerfully affirm the reports from the field, that women who allege abuse - particularly child abuse - by a father are at significant risk (over 1 in 4) of losing custody to the alleged abuser. (Importantly, this rate applies even in cases where the fathers appear not to have claimed alienation to defeat the abuse claim.) Even when courts find that fathers have abused the children or the mother, they award them custody 14% of the time. In cases with credited child physical abuse claims, fathers win custody 19% of the time.
It is also notable that when mothers report mixed types of child abuse (sexual and physical) their custody losses skyrocket (from under 30% (39/135) up to 50%)(11/22)."

Großbritannien

Ministry of Justice, Press Release:

Major overhaul of family courts to protect domestic abuse victims


"It found that an adversarial process in the family courts often worsened conflict between parents, which could retraumatise victims and their children.

Fundamental reform of how the courts hear cases, through a new investigative approach, will be trialled as part of the Integrated Domestic Abuse Courts pilot – these consider family and criminal matters in parallel in order to provide more consistent support for victims. Emphasis will be placed on getting to the root of an issue and ensuring all parties are safe and able to provide evidence on an equal footing – without the retraumatising effects of being in court with an abusive ex-partner.

Additionally, Ministers will launch a review into the presumption of ‘parental involvement’ that often encourages a child’s relationship with both parents, unless the involvement of that parent would put the child at risk."


Großbritannien, The Guardian, 12.6.2022

Questions over use of ‘psychological experts’ in parental alienation cases

Parents – more often mothers – are losing access to their children on the advice of unregulated experts, an Observer investigation reveals

"The unregulated experts shattering children's lives"


Artikel:

Children and family law: 'How can you share parenting with an abusive parent?'

Investigative Journalism, The Guardian, 14.3.2020

Familienrecht international

Kanada

Supreme Court, 20.5.2022:

Supreme Court says one incident of family violence may justify child’s relocation in divorce cases

Reasons for Judgement in Appeal,  2022 SCC 22, Case number 39533 


Family Court Review, Association of Family and Conciliation Court:

Shared Parenting in Canada: Increased Use But Continued Controversy

"The research also reveals real concerns about the negative effects of high parental conflict or violence, especially if there is shared custody. A legal resumption of equal shared time would most likely have an impact in the highest-conflict cases that are resolved in court, which are also the cases where this outcome raises the greatest concerns. Thus we do not support that type of legal presumption."

Birnbaum, Rachel & Poitras, Karine & Saini, Michael & Cyr, Francine & LeClair, Shawna. (2017). Shared Parenting in Canada: Increasing Use But Continued Controversy: Shared Parenting in Canada. Family Court Review. 55. 513-530. 10.1111/fcre.12301. 


Artikel:

Survivors of domestic abuse told to keep quiet about it in court or risk jeopardizing child custody


CBC News, CBC Investigates

 


International II

Europäische Union

EU-Kinderrechtsstrategie
Kindgerechte Justiz: Eine EU, in der die Justiz die Rechte und Bedürfnisse von
Kindern wahrt (S. 15 ff.),

"... müssen die nationalen Justizsysteme besser gerüstet sein, um den Bedürfnissen und Rechten von Kindern gerecht zu werden. Angehörigen der
Justiz mangelt es bisweilen an Schulungen, um mit Kindern auf altersgerechte Weise zu interagieren, unter anderem wenn sie über die Ergebnisse eines Verfahrens informieren, und um das Wohl des Kindes zu wahren. Das Recht des Kindes auf Gehör wird nicht immer gewahrt, und es gibt nicht immer Mechanismen zur Verhinderung mehrfacher Anhörungen des Kindes oder mehrfacher Beweiserhebungen."

Europäische Union

Entschließung des Europäischen Parlaments vom 6. Oktober 2021 zu den Auswirkungen von Gewalt in Paarbeziehungen und von Sorgerechtsregelungen auf
Frauen und Kinder (2019/2166(INI))


Auszug:

"...mit allen Formen häuslicher Gewalt und deren Mechanismen, einschließlich Manipulation, psychischer Gewalt und Kontrolle durch Zwang..."

Häusliche Gewalt: 3. GREVIO-Bericht veröffentlicht (GREVIO - Group of Experts on Action against Violence against Women an Domestic Violence), Juni 2022
Zusammenfassende Analyse des Berichts in der FamRZ, 20.6.2022

Europarat, Juni 2022:
Pressemitteilung: Domestic violence: Countries should improve child custody safety and victim protection (report

Frankreich

Artikel:

Violences sexuelles faites aux enfants : «La société accepte de courir le risque de ne pas protéger les victimes» 


Paris Match, Interview mit dem Vizepräsidenten der "
Commission indépendante sur l’inceste et les violences sexuelles faites aux enfants (Ciivise)", 27.4.2022

Artikel:

Dangers of France’s child-sharing custody system


The Connexion, 29.5.201

Über den Autor

Wolfgang Hammer, Norderstedt
Dr. phil. , Soziologe und Fachautor
Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Deutschen Kinderhilfswerks

  • Von 2005 – 2013 Vertreter der Jugend- und Familienministerkonferenz:
  • bei den Runden Tischen zum  Sexuellen Kindesmissbrauch
  • beim Nationalen Aktionsplan für ein Kindergerechtes Deutschland
  • in der Bund/Länder AG zur Erarbeitung des Bundeskinderschutzgesetzes und zum Bundesprogramm Frühe Hilfen

In Kooperation mit:

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